Hand in Hand für den Tierschutz

So läuft eine Rehkitzrettung ab

Die Suche aus der Luft

Abstimmung mit dem Landwirt & Gezieltes Anlaufen

Fachgerechtes Sichern & Freilassen

Unsere Einsätze starten in den kühlen Morgenstunden, direkt vor der anstehenden Mahd. Zu dieser Uhrzeit ist der Temperaturunterschied zwischen dem Boden und den Tieren am größten. Unsere Piloten fliegen die Wiesen systematisch mit modernen Wärmebild-Drohnen ab. Auf den Monitoren zeichnen sich die Wärmesignaturen der im hohen Gras versteckten Rehkitze als helle Punkte deutlich ab. Die Fundorte werden präzise markiert. Die Sicherung der Tiere erfolgt in enger und direkter Absprache mit dem Landwirt kurz vor dem Start der Mähmaschinen, damit die Kitze so kurz wie möglich festgesetzt werden müssen. Der Drohnenpilot lotst das Bergungsteam via Sprechfunk und Navigationsgerät zentimetergenau zu den markierten Liegestellen. Um die Wiese zu schonen, läuft das Rettungsteam die Punkte immer auf dem direktesten Weg an. Um keinen menschlichen Geruch zu übertragen, nähert sich das Team dem Kitz nur mit Handschuhen. Das Jungtier wird vorsichtig mit reichlich frischem Gras angehoben, behutsam in einer schattigen Transportbox außerhalb der Wiese festgesetzt und für die Dauer der Mahd gesichert. Sobald der Traktor die Fläche sicher bearbeitet hat, lassen wir das Kitz wieder frei. Aus sicherer Entfernung können wir dann beobachten, wie es wohlbehalten den Weg zurück zu seiner Mutter findet.

 


 

High-Tech im Dienste des Tierschutzes

Die Rehkitzrettung hat sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt. Früher bedeutete die Suche den Einsatz riesiger Helferketten, die kilometerweit durch hüfthohes Gras liefen – eine enorme körperliche Anstrengung, bei der trotz aller Mühe Verletzungen oder Erschöpfung an der Tagesordnung waren.

Heute setzen wir auf modernste Technik: Drohnen überfliegen die Wiesen, während hochauflösende Wärmebildkameras jede Stelle lückenlos erfassen. Die Teams am Boden werden per Smartphone, Navigationsgerät oder Feld-Laptop präzise zu den Liegestellen geführt.

Technik funktioniert nur durch Teamwork

Die beste Ausrüstung ist jedoch nutzlos ohne engagierte Menschen. Jeder Drohneneinsatz erfordert eine eingespielte Mannschaft. Um in der neuen Saison mit all unseren Drohnen gleichzeitig starten zu können, brauchen wir ein starkes Team aus:

  • Piloten, die den Flugweg exakt steuern.
  • Beobachtern, die den Live-Bildschirm aufmerksam nach Wärmesignaturen absuchen.
  • Rettern, die die Kitze vor Ort sichern.

Der Moment der Rettung

Das Bergungsteam läuft die Liegestellen immer mindestens zu zweit an. Per Sprechfunk führt der Pilot die Retter auf den letzten Zentimetern ans Ziel: „Noch fünf Meter… noch zwei… genau vor dir!“ Ausgestattet mit Handschuhen wird das Kitz behutsam in eine mit frischem Gras ausgepolsterte Tasche gesetzt und aus der Gefahrenzone gebracht. Nach der Mahd folgt der schönste Moment: das Kitz wieder freizulassen und aus sicherer Entfernung zu beobachten, wie es wohlbehalten zu seiner Mutter zurückkehrt.

Werde Teil unseres Teams!

Auch du kannst Rehkitze vor dem Mähtod bewahren. Nach einer persönlichen Einweisung sammelst du direkt Praxiserfahrung bei den Einsätzen. Da wir immer kurz vor der Mahd suchen, freuen wir uns über jede Unterstützung – nicht nur von Frühaufstehern!#


 

Unsere Drohnen-Flotte:

Nachdem wir gerade eine weitere Drohne beschaffen konnten, verfügen wir jetzt über drei hochmoderne Drohnen, zwei davon können wir sogar bei Regen fliegen. 

DJI Matrice M30T DJI Mavic 3 Thermal  DJI Matice 4 TD

Vorteile:

  • Hervorragender Zoom:Ein echter 16-facher optischer Zoom (bis 200x Hybrid) liefert gestochen scharfe Details aus sicherer Entfernung.
  • Laser-Entfernungsmesser: Ermittelt sofort exakte GPS-Koordinaten von Objekten oder Wärmequellen in bis zu 1,2 km Entfernung.
  • Extremer Wetterschutz (IP55): Fliegt absolut zuverlässig bei strömendem Regen, Schnee und von −20C bis +50C.
  • Ausfallsicherheit: Das duale Akkusystem sorgt für Redundanz; fällt ein Akku aus, fliegt sie sicher weiter.

Vorteile:

  • Maximale Mobilität:Mit unter 1 kg extrem leicht und kompakt; passt problemlos in jeden Rucksack.
  • Blitzschnell startklar: In unter einer Minute ausgepackt, aufgeklappt und in der Luft.
  • Hohe Ausdauer: Bietet mit bis zu 45 Minuten eine hervorragende Flugzeit.
  • Starkes Mapping: Der 48 MP Weitwinkelsensor liefert extrem scharfe Übersichtskarten bei Tag.

Vorteile:

  • Maximale Flugzeit: Bis zu 50 Minuten Flugdauer erlauben extrem lange Kontrollrunden am Stück.
  • Zentimetergenaue Präzision: Integriertes RTK sorgt für absolut exakte, wiederholbare Flugrouten.
  • Extremer Wetterschutz (IP55):  Genau wie die M30T trotzt auch die M4TD starkem Regen und widrigen Wetterbedingungen im Einsatz.
  • Moderner Rundum-Schutz: Omnidirektionale Erkennung per Radar und Sichtsensoren für maximale Sicherheit im autonomen Flug.

Nachteile:

  • Höherer Transportaufwand: Deutlich größer und schwerer (ca. 3,7 kg) als die Mavic; erfordert einen Transportkoffer.
  • Geringere Weitwinkel-Auflösung: Die Weitwinkelkamera bietet nur 12 MP (im Vergleich zu den 48 MP der M3T/M4TD).
  • Kürzere Flugzeit: Mit ca. 41 Minuten hat sie die kürzeste Flugzeit im Flottenvergleich.

 

Nachteile:

  • Wetterfühlig: Kein zertifizierter Starkregenschutz; bei nassem Wetter muss sie am Boden bleiben.
  • Reiner Digital-Zoom:Bei hoher Vergrößerung (bis 56x Hybrid-Zoom) nimmt die Bildqualität im Vergleich zum optischen Zoom sichtbar ab.
  • Geringere Windstabilität: Aufgrund des geringen Gewichts anfälliger für starke Böen als die großen Matrice-Modelle.

 

Nachteile:

  • Eingeschränkte Flexibilität: Konzeptionell für den stationären/automatisierten Betrieb ausgelegt; nicht mal eben für den spontanen Rucksack-Transport gedacht.
  • Kein optischer Zoom:Nutzt wie die Mavic 3T einen 56-fachen Hybrid-Zoom (Verpixelung bei hoher Vergrößerung).
  • IR Brennweite: 
    Durch die längere Brennweite der Wärmebildkamera ist das Sichtfeld enger – die Drohne muss höher fliegen, um die gleiche Fläche wie die M30T oder M3T zu erfassen.

 


Unvergessliche Momente auf den Wiese

Ein perfekt getarntes Kitz im hohen Gras zu entdecken und mit den eigenen Händen vor dem sicheren Mähtod zu bewahren – das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es sind genau diese Momente, die jedes frühe Aufstehen belohnen und uns für immer im Gedächtnis bleiben.

Zwei Erlebnisse haben uns in der vergangenen Zeit besonders berührt:

Die Zwillinge in Conweiler: Direkt an einem viel besuchten Spazierweg nahe des Sportplatzes konnten wir zwei winzige Kitze sichern. Tagsüber wären sie hier unzähligen Spaziergängern und Hunden völlig schutzlos ausgesetzt gewesen.

Das Naturwunder in Pfaffenrot: Auf einer der Wiesen durften wir eine Ricke (Geiß) sogar direkt beim Setzen – also der Geburt ihres Kitzes – beobachten. Dank der großartigen und schnellen Reaktion des Landwirts wurde die Mahd sofort ausgesetzt, damit Mutter und Kind in Ruhe zueinanderfinden konnten und nicht getrennt wurden.

Möchtest du solche Momente miterleben? Erfolgserlebnisse sind bei unseren Einsätzen garantiert. Melde dich bei uns und werde Teil unseres Rettungsteams!


Ein herzliches Dankeschön an alle Partner und Unterstützer

Unsere Einsätze und Erfolge sind das Ergebnis von echtem Teamwork. Ein Projekt dieser Größe funktioniert nur, wenn alle Rädchen ineinandergreifen. Deshalb möchten wir uns von ganzem Herzen bedanken bei:

  • Den Landwirten: Für die hervorragende und vertrauensvolle Kooperation. Danke für das rechtzeitige Anmelden der Wiesen, Ihre Flexibilität beim Mähen selbst und das spontane Verschieben von Mähterminen, wenn es für uns zeitlich eng wurde. Nur durch dieses Miteinander können wir Leben retten.
  • Unseren unermüdlichen Einsatzkräften: Für euer großartiges Engagement in den frühen Morgenstunden. Mit eurer hohen Motivation, eurem Fachwissen und eurer Zuverlässigkeit habt ihr die Einsätze der vergangenen Saison überhaupt erst erfolgreich gemacht.
  • Allen Spendern und Förderern: Unsere moderne Technik ist das Herzstück der Suche, aber sie ist kostenintensiv. Danke an alle, die uns finanziell oder materiell unterstützt haben – Sie haben die Beschaffung unserer Drohnen und Ausrüstung ermöglicht und stehen damit hinter jedem geretteten Kitz.

Warum ist die Rehkitzrettung so dringend notwendig?

Die unsichtbare Gefahr im hohen Gras

Es gibt in Deutschland keine bundesweit exakten Statistiken über die Opferzahlen bei der Wiesenmahd. Die Schätzungen von Experten und Tierschutzverbänden sind jedoch alarmierend: Sie beginnen bei jährlich 50.000 getöteten Rehkitzen und reichen bis zu 200.000 Wildtieren insgesamt – dazu zählen auch Junghasen, Jungfüchse und bodenbrütende Vögel. Wie akut das Problem vor unserer eigenen Haustür ist, zeigen unsere eigenen Einsätze: Allein in den letzten zwei Jahren haben wir in Straubenhardt während der ersten Mahd rund 100 Kitze in den Wiesen aufgespürt und die allermeisten von ihnen vor dem sicheren Mähtod bewahrt.

Das Dilemma der Landwirtschaft

Rechtlich sind Landwirte dazu verpflichtet, vor der Mahd alle zumutbaren Maßnahmen zu ergreifen, um Mähunfälle und das Töten von Wildtieren zu verhindern. In der Realität stehen die Betriebe jedoch vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Der enorme Zeit- und Wetterdruck sowie die schiere Größe der Flächen machen ein händisches Absuchen oft unmöglich. Hinzu kommt, dass moderne, breite Mähwerke dem Fahrer auf dem Traktor kaum eine Chance lassen, ein Tier rechtzeitig zu sehen – denn junge Kitze flüchten bei Gefahr nicht, sondern ducken sich instinktiv tief in ihr Versteck.

Die Lösung: High-Tech und Teamwork

Um dieses Dilemma aufzulösen, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Methoden getestet. Wissenschaftliche Untersuchungen und Studien bestätigen heute eindeutig: Das flächendeckende Absuchen der Wiesen mit modernen Wärmebild-Drohnen, kombiniert mit der gezielten Sicherung durch Bodenteams, ist die mit Abstand effektivste, sicherste und zeiteffizienteste Lösung im modernen Tierschutz.